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Stoffwechselkur - sinnvolle Diät oder gefährlich?

Quelle: www.aerztezeitung.de
Quelle: www.aerztezeitung.de

Verschiedenste Diätformen gibt es wie Sand am Meer. Ich könnte einen ganzen Nachmittag damit verbringen sie alle aufzuzählen. Aber spätestens seit der Kritik von Christian Wolf auf seinem Instagram Account ist die Stoffwechselkur vermehrt in aller Munde. Grund genug für mich um die Diät genauer unter die Lupe zu nehmen. 


Was genau ist eine Stoffwechselkur?

Die Punkte, die ich an vielen Diät oft kritisiere, sind neben Verzicht und Unterversorgung von Nährstoffen der altbekannte Jo-Jo Effekt, die ungewollte Gewichtszunahme nach einer Reduktionsdiät.

Im Vergleich dazu wirbt die Stoffwechselkur, oder auch hCG Diät genannt, damit, dass die Teilnehmer mit allen lebenswichtigen Nährstoffen versorgt werden und nach dem Diät Ende kein Jo-Jo Effekt auftritt. 


Quelle: www.globuli.de
Quelle: www.globuli.de

Was ist hCG?

HCG - humane Choriongonadotropin ist ein Peptidhormon, dass der weibliche Körper, genauer gesagt ein Teil der Plazenta, während der Schwangerschaft produziert, um - vereinfacht gesagt - das Baby optimal mit Nährstoffen zu versorgen. Das Hormon gilt auch als wichtiger Nachweis für eine Schwangerschaft. So gut wie alle Schwangerschaftstests funktionieren über den Nachweis des Hormons. 

 

Albert T.W. Simeons, ein britischer Endokrinologe war der erste, der hCG als Ergänzung zu einer low calorie Diät empfohlen hat. Dr. Simeons nahm an, dass hCG nicht nur den Fettstoffwechsel von schwangeren Frauen, sondern auch von nicht schwangeren Personen, die gerne abnehmen möchten, anregen würde. Durch die Behandlung mit hCG sollte bei den Patienten eher Fettgewebe anstelle von Muskelgewebe verloren gehen. 

Er spritzte adipösen Patienten das Hormon empfahl gleichzeitig eine stark Kalorien reduzierte proteinreiche Diät, anstelle von Kohlenhydraten und Fetten um einen schnellen Diäterfolg zu erzielen. Die Wissenschaft ist sich allerdings einig, dass das hohe Kaloriendefizit ausschlaggebend für den schnellen Gewichtsverlust ist, und nicht das hCG selbst. 

Die Diät gibt eine täglich Aufnahme von etwa 500 bis 1000 Kalorien vor, als weit unter der generellen Empfehlung für Erwachsene. 

 

Bei der klassischen Form der hCG Diät wird das Hormon in Reinform gespritzt oder in Form von Tropfen eingenommen. In Österreich und Deutschland ist das allerdings verschreibungspflichtig und sehr teuer, weshalb homöopathische Mittel hier immer beliebter werden. 

Die Globuli oder Tropfen sind in allen Apotheken erhältlich, enthalten aber im Gegensatz zur Reinform nicht mehr das Hormon hcG an sich, sondern den Herstellern zufolge nur noch eine "energetisierte Information". 

Sprich das Hormon wurde so stark verdünnt, dass es chemisch eigentlich gar nicht mehr nachweisbar ist. 


Die vier Phasen der Stoffwechselkur

Die Stoffwechselkur besteht aus vier Phasen in einem zeitlich vorgegebenen Rahmen und setzt die Einnahme von hCG Globuli voraus. Zusätzlich werden Nahrungsmittelergänzungen eingenommen, die den Körper entschlacken und entgiften sollen, sowie einen Reset des Stoffwechsels versprechen.

 

Phase 1: Die Ladephase

 

Während der zwei Tage andauernden Ladephase ist alles erlaubt, worauf man Lust hat, also das komplette Kontrastprogramm zu den kommenden Wochen. Es darf noch einmal so richtig gesündigt werden, bevor es mit der eigentlichen Arbeit losgeht. 

 

Phase 2: Die Diätphase

Diese Phase der Kur soll 21 Tage lang andauern. Es wird empfohlen die tägliche Kalorienzufuhr auf 500-700 Kalorien zu beschränken (bei Personen mit körperlich anstrengender Arbeit wird eine Aufnahme von etwa 1000 Kalorien empfohlen), die Mahlzeiten bestehen großteils aus Shakes, fettfreien Proteinquellen und Gemüse. 

 

Phase 3: Die Stabilisierungsphase

Diese Phase hat keine vorgegebene Dauer. Ziel ist es den Körper wieder an eine normale Menge Kalorien zu gewöhnen und zu verhindern, dass der Jo-Jo Effekt zuschlägt. Dieser soll durch eine stufenweise Erhöhung der Kalorienmenge, täglich um etwa 100 Kilokalorien, ausbleiben. 

 

Phase 4: Die Erhaltungsphase

Wenn man nach etwa 14 Tagen Stabilisierungsphase wieder bei einer normalen Energiemenge angekommen ist, darf wieder gegessen werden, wie man möchte. Auf Kohlenhydrate und Fette muss nicht mehr verzichtet werden, 

 


Die Risiken

Unser Stoffwechsel- und Hormonsystem ist sehr komplex und reagiert empfindlich auf Eingriffe und Veränderungen. Im weiblichen Körper kann das Hormon zu Zwischenblutungen und Menstruationsstörungen führen, die Wirkung hormoneller Verhütung kann abgeschwächt werden. 

 

Außerdem kann es Thrombosen, Kopf- und Brustschmerzen, Eierstockzysten und Myome verursachen. Unter Umständen sogar zu einem erhöhten Risiko für Brustkrebs führen. Das Hormon kann das Wachstum bösartiger Tumorzellen beschleunigen und diese Zellen zu Wachstum und schnellerer Teilung anregen. 

 

Nebenwirkungen bei Männern sind unter anderem Brustschmerzen, Thrombosen und Unfruchtbarkeit, weil es den Hormonhaushalt des Körpers verändert und Hoden dadurch weniger Spermien produzieren. 

Bei der homöopathischen Variante sind derzeit keine Nebenwirkungen bekannt, allerdings auch keine Wirkung. 

 

Außerdem kann es durch die geringe Kalorienmenge zu Mangelerscheinungen, Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Kreislaufproblemen und Muskelkrämpfen führen. 

Die Menge an Nährstoffen und Energie ist auf Dauer schlichtweg zu gering. 

 

Interessierte sollten immer bedenken, dass Diätanbieter und Hersteller an der Diät und den dazu benötigen Nahrungsergänzungsmitteln gut verdienen. 

Wissenschafter sind sich einig, dass der Diäterfolg einzig und allein aus dem großen Kaloriendefizit resultiert. 


Zusammenfassend kann man sagen, dass die Stoffwechselkur eine Mischung aus Kundenabzocke und gefährlich niedriger Kalorienmenge ist und generell von einer solchen Diät abzuraten ist!

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