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Instagram als Plattform für Frauen mit Essstörung

Vor ziemlich genau 10 Jahren saß ich gemeinsam mit meinem Jugendfreund auf der Couch in unserer alten Wohnung, und im Fernsehen lief ein Beitrag über die sogenannte "Pro Ana" Bewegung.
Pro Ana bzw. Pro Mia sind Bewegungen von Magersüchtigen bzw. in zweiterem Fall von Ess-Brech-Süchtigen im Internet.
Ursprünglich in den USA entstanden breitete sich diese Bewegung immer weiter bis zu uns nach Europa aus.

Ich konnte damals mit dem Begriff nicht wirklich viel anfangen und begann mich, gepackt von der Neugier, im Internet weiter darüber zu informieren. Ich stieß auf unzählige Foren, die solche Anhänger auf familiäre Art und Weise beherbergten und ihnen eine Plattform für ihre Gedanken gab. 
Die Anhänger von Pro Ana, fast ausschließlich junge Frauen, nutzen diese um ihre Krankheit, die Magersucht zu idealisieren. Man ist sich der eigenen Erkrankung durchaus bewusst, lebt sie aber, gemeinsam mit anderen, wie einen Lifestyle.

In Form von Battles animiert man sich gegenseitig dazu, noch mehr Gewicht zu verlieren. Man prahlt damit, wie wenig man jeden Tag gegessen hat, oder wie viele Stunden man beim Sport verbracht hat.

Ich war 18, hatte gerade einen neuen Lebensabschnitt begonnen und begann mich das erste mal in meinem Leben kritisch mit meiner Figur auseinander zu setzen. Mein Körperbau alleine würde es mir unmöglich machen, jemals wie ein Topmodell auszusehen. Ich habe breite Hüften und ein noch breiteres Becken. Ich bin alles, aber sicherlich nicht zart und grazil.

Aber gepackt von der Neugier und dem Reiz wollte ich es fortan werden.
Und ehe ich mich versah war ich in einem dieser Foren registriert und schrieb damit meine eigene Geschichte, und heute, 10 Jahre später, kann ich sagen, es war mit Sicherheit keine Schöne. 

Der Weg in die Magersucht gleicht einer Schlittenfahrt. Und abgesehen vom psychischen Aspekt der Krankheit, hat sie massive Folgen für den Körper, wie Mangelerscheinungen durch ausbleibende oder nur unzureichende Versorgung mit Vitaminen und Nährstoffen, Blutarmut, Hormonstörungen, Herzkreislaufbeschwerden, Osteoporose und einiges mehr.

Es folgten Jahre des nichts Essens, der Verlust meiner Periode, der Missbrauch von Laxativa und ein Tiefstgewicht von 50kg.
Das war zwar auf einer Körpergrüße von 175cm vielleicht noch nicht lebensbedrohlich dünn, aber meine Einstellung zum Thema Ernährung und Essen war es, und das kratzte auch an der Beziehung zu meiner Familie und auch meinen Freunden.

(Photo: Jänner 2009; Gewicht: 52kg)

Wenn ich heute die populären Instagram Feeds durchstöbere, dann fällt natürlich auf, dass das Thema Ernährung, Fitness, Aussehen immer noch überhand in unserer Gesellschaft hat.
Ich selbst trage natürlich auch meinen Teil dazu bei, aber ich habe es mir zur Aufgabe gemacht jungen Frauen meine Geschichte ersparen zu wollen, und ihnen zu zeigen, dass es einen gesunden Weg gibt sich in seiner Haut wohl zu fühlen, und dass man im Leben eben auch lernen muss, sich zu lieben, wie man ist. Es gibt viele Accounts zum Thema Bodylove, Louisa Dellert ist nur einer davon, der mir spontan einfällt, und ich denke wir bewegen uns damit in eine gesunde Richtung. 

Aber dann gibt es noch jene Accounts, bei denen mir das Gruseln kommt, wenn ich die Feeds durchstöbere.
Beine wie Streichhölzer, besorgniserregend dünne Mädchen mit mehreren Hunderttausend Followern, und unzähligen Kommentaren unter deren Postings, wie "ich wäre so gerne so dünn wie sie.". 
Die Hüftknochen stehen weit hervor, man kann jeden Knochen am Schultergelenk erkennen. Früher hätte mich das angesprochen, ich hätte das ebenfalls bewundert. Heute weiß ich es glücklicherweise besser.

Alle Körper sind schön, das gilt auch für jene, die vielleicht nicht unserer persönlichen Vorstellung von Schönheit entsprechen.
Nicht alle übergewichtigen Menschen laufen den ganzen Tag nur zum Kühlschrank und sind faul, genauso wenig wie alle besonders dünnen Menschen magersüchtig sind.

Aber in diesem Fall ich stelle mir die Frage, inwieweit man solche Photos noch mit dem Hashtag #healthy verknüpfen kann, wenn ganz klar ist, dass es für normalsterbliche Personen, mit durchschnittlicher Statur und Stoffwechsel auf gesundem Wege niemals möglich sein wird, so auzusehen.

Photo Credit: Caroline Deisler

Es gibt hunderttausende junge Mädchen, die sich solche Photos zum Vorbild nehmen, hungern und sich von Luft und Liebe ernähren. Und noch bevor sie sich selbst eigentlich darüber bewusst sind, rutschen sie mit Lichtgeschwindigkeit in ein gestörtes Verhältnis zum Essen.

Den negativen Einfluss von Facebook und Co auf die Selbstwahrnehmung und das Essverhalten haben schon mehrere Studien nachgewiesen. Und auch die Welt auf Instagram gaukelt uns viel vor, aber nicht alles sollten wir glauben und uns zum Vorbild nehmen. 

Mit drei der Mädchen von damals, habe ich heute übrigens noch Kontakt. Wir sind alle unseren Weg gegangen, haben Familie, einen Beruf und unsere gemeinsame Geschichte, aus der wir alle wieder irgendwie herausgefunden haben.

Aber dann gab es da damals noch dieses eine Mädchen, deren echten Namen wir alle niemals kannten. Die mit 37kg die dünnste von uns war, und eines Tages einfach nicht mehr schrieb. 


Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich Caroline Deisler nicht persönlich kenne und es mir auch nicht zusteht, ihr eine Essstörung zu unterstellen. Mir geht es in diesem Beitrag einzig und allein darum in Frage zu stellen, ob sich junge Mädchen und Frauen ihren Körper zum Vorbild nehmen sollten, oder ob es an der Zeit wäre unsere Idealvorstellung in eine gesunde Richtung zu lenken. 


Hast du noch Fragen zu dem Thema?

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Kommentare: 8
  • #1

    Sabine (Freitag, 02 März 2018 22:24)

    Perfekt beschrieben! Ich litt selbSt 5 Jahre unter Magersucht, mit stationärer Therapie under sehr viel Leid, für mich und meine Familie. Caroline Deislernen nutzt den Veganen "Trend" als Deckmantel für ihre persönliche Magersucht! !! Das muss mehr öffentlich thegalisiert werden. Sie treibt junge Mädchen mit in den Abgrund!

  • #2

    Laura (Sonntag, 11 März 2018 21:48)

    Caroline Deisler ist krank. Aber viele Mädchen realisieren nicht dass hinter ihrem Lächeln, nur Magersucht und Bulimie stehen.

  • #3

    Steffi (Donnerstag, 19 April 2018 21:39)

    Ich finde es super was du schreibst und kann dir nur recht geben. Es ist einfach schauderhaft wie Caroline ihren Körper als Vorbild für andere sieht. Sie wird die Folgen ihres dramatischen Untergewichts noch spüren aber dass man mit so einem Account Menschen mit in den Sog dieser lebensgefährlichen Krankheit zieht ist einfach nur unverantwortlich. :(
    Danke für diesen Beitrag!!!

  • #4

    CarolinevC (Dienstag, 24 April 2018 22:08)

    Ich verstehe nicht ganz, wie man diesen Beitrag "Instagram als Plattform für Frauen mit Essstörung" nennen kann und dich mit Aussagen wie " mir auch nicht zusteht, ihr eine Essstörung zu unterstellen" versuchst aus der rechtlichen Vernunft zu nehmen. Gerade weil du Caroline nicht persoenlich kennst, finde ich sollte man gerade deshalb eine Person des oeffentlichen Lebens niemals versuchen so ins schlechte Licht zu stellen. Ich akzeptiere, dass jeder seine Meinungen hat, aber ein gesamten Blogpost darueber zu gestalten mit Aussagen wie "Besorgniserregend fuer junge Maedchen jenes als Vorbild zu sehen" finde ich steht dir in keiner Weise zu.

  • #5

    Tami (Mittwoch, 25 April 2018 13:33)

    Ich finde es wichtig, dass sowas zum Thema gemacht wird!!!! Ich habe selbst eine 12jährige Tochter und weiß wie sehr der Druck da schon beginnt.

  • #6

    Anni (Samstag, 28 April 2018 10:25)

    Ich finde auch dass es nicht in Ordnung ist sie so an den Oranger zu stellen. Ich selber hatte auch eine essstörung. Ich habe zugenommen weil ich viel Mist gegessen hatte. Als ich gesund aß und trotzdem meine 2000 kcal zu mir nahm habe ich automatisch abgenomme. Viele sagen mir ich soll mehr essen obwohl ich bereits sehr viel esse. Der Arzt ist vollkmmen zufrieden und ich hatte nie bessere Werte.

  • #7

    Anna No (Donnerstag, 24 Mai 2018 12:05)

    Sowas sollte öfter diskutiert werden.

    Nur so werden wir bewusster.
    Nur so sehen wir andere Sichtweisen und können unsere eigene kritisch betrachten.

    Danke!

    Am Ende lebt jeder natürlich sein eigenes Leben.

    Allerdings(!) sollte eine Person, die in der Öffenlichkeit steht, in der Lage sein, auch die Folgen ihrer Präsenz.....

  • #8

    Helen (Sonntag, 05 August 2018 20:05)

    Ich finde deinen Beitrag ganz toll. Viele junge Mädchen verstehen das nicht und sind nur fasziniert über ihre langen dünne. Beine. Ich selber litt über 10 Jahre an Magersucht (bis zu 43kg bei 175cm). Meine Magersucht hat mir alles (!) genommen von einem normalen Sozialleben als auch das Liebesleben, das andere Altersgenossen hatten. Therapien haben mir nichts genutzt, weil ich nicht gesund werden wollte. Ich war fasziniert von meinen Knochen. Erst ein Hund und die erste richtige Liebe mit 24 haben mich auf den richtigen Weg gebracht. Ich bin schlank, aber sportlich mit Muskeln und ich liebe inzwischen zu essen.
    Gegen Magersüchtige Schauspielerinnen oder Sängerinnen wird ja wenigstens öffentlich gesprochen, aber diese Blogger halte ich für sehr gefährlich, weil sie so unkontrolliert junge Mädchen in ihr Verderben bringen.