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Fit als Mama - die ehrliche Wahrheit

Photo: www.picturesofyou.at
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Ich liebe Instagram. Muss ich ehrlich sagen. Abgesehen davon, dass sich ein Großteil meines Jobs hier abspielt, weil ich es einfach als Plattform nutzen kann um Menschen zu erreichen und motivieren, lasse ich mich selbst oft und gerne von anderen Accounts inspirieren.

Gestern hat mir eine liebe Kundin ge-smst, wie das bei mir war, als unser kleiner Quadratwindelpupser noch ein Baby war. Sie ist nämlich gerade selbst Mutter geworden und findet teilweise kaum Zeit zu essen. Im Endeffekt war sie dann beruhigt, als ich ihr meine ehrliche Antwort geschrieben hab, dass es mir damals nicht anders ging. Ich erinnere mich noch daran, als wäre es gestern gewesen, dass das Kind prinzipiell immer dann wach war, wenn ich ein bisschen zu Hause trainieren wollte. Eine Mischung aus Müdigkeit, was in dem Stadion eigentlich Folter gleicht, und viel Überforderung. Aber das sieht man hier nicht oft, auf Instagram mein ich. Und man liest es auch kaum. Was wir zusehen bekommen sind trainierte Mütter kurz nach ihrer Schwangerschaft, die mir suggerieren, dass ich wohl irgendwas falsch gemacht hab, dass es doch so einfach sein kann mit Baby. Aber nein, das ist es nicht. Und ich möchte nicht zu denen gehören, die auf Instagram die heile Welt präsentieren, während ich im echten Leben zu Hause saß und oft oft geweint habe. Weil ein Neugeborenes eben nicht immer einfach ist. Und plötzlich einfach alles anders.

Deshalb habe ich beschlossen alles in einem ehrlichen Blogpost zusammen zu fassen, wie es für mich wirklich war, so praktisch alleine mit einem kleinen Quälgeist zu Hause, der im Prinzip niemals schlafen wollte (und auch heute noch nicht will) und dem Versuch meinen eigenen Bedürfnissen dennoch nachzugehen. 


Meine Schwangerschaft

Ich weiß nicht ob ich unglaubliches Glück hatte oder die Tatsache, dass ich vor und während der Schwangerschaft, genau bis zwei Tage vor meinem Entbindungstermin, noch Sport machen konnte, geholfen hat. Aber meine Schwangerschaft war so unglaublich problemlos und schön, dass es für mich hätte ewig dauern können.

Weder war mir jemals übel noch hatte ich mit Wassereinlagerungen oder großer Zunahme zu kämpfen, am Ende waren es um die 7kg und die waren auch relativ schnell nach der Geburt wieder weg.

Selbst die Geburt war relativ problemlos, schmerzhaft und nur durch eine PDA zu ertragen, aber ich konnte zwei Stunden danach aufstehen und alleine duschen gehen und war innerhalb ein paar Tagen wieder fit.

Zumindest einigermaßen, was auch gut war, denn ich würde meine Kräfte für die kommende Zeit auch brauchen, aber das wusste ich zu dem Zeitpunkt noch nicht. 


Folter

Wenn ich das zu einer kinderlosen Freundin sag, dann ernte ich meistens seltsame Blicke. Aber für mich war der Schlafmangel in den ersten Wochen und Monaten die reinste Folter. Mein Mann war so gut wie nie zu Hause und ich war mit meiner Überforderung großteils auf mich alleine gestellt. Dazu kam, dass es mit dem Stillen nicht klappen wollte, wie ich es gerne gehabt hätte und ehe ich mich versah bestand mein Tag aus einer endlosen Schleife von Stillen, Abpumpen, Stillen, Abpumpen, Schlafmangel, Stillen und Abpumpen. Das waren die ersten Wochen mit Kind also. Kräfteraubend und an eine ausgewogene beziehungsweise regelmäßige Ernährung war kaum zu denken. Ich war ja schon froh, wenn ich  mich gelegentlich duschen konnte. 


Die große Zunahme und meine Konsequenzen

So schnell die wenigen Kilos nach der Schwangerschaft weg waren, genauso schnell waren sie danach wieder drauf. Im Prinzip kam ich kaum dazu ordentlich zu essen, stopfte während den kurzen Schlafphasen meines Kindes Kiloweise Bananen in mich hinein, damit ich wenigstens irgendwas im Magen hatte. Und ehe ich mich versah hatte ich knapp 70kg. Zum Vergleich, in der letzten Schwangerschaftswoche waren es 72. 

Im Nachhinein betrachtet empfinde ich das aber auch als völlig normal und legitim. Jede, die schon Kinder hat, weiß genau wovon ich rede, wenn ich sage, dass es in den ersten Wochen einzig ums Überleben geht. Zumindest empfand ich es damals so. 

 

Zwar wollte ich wieder schnell zurück in meine Trainingsroutine, das Kind sah das allerdings anders und demonstrierte jedesmal lautstark, wenn ich zur Hantel griff. 

Etwas besser wurde es, als er dann ein paar Wochen alt war und in der Welt auch irgendwie angekommen. Ich trainierte zu Hause und beschäftigte das Kind einstweilen in seinem Babybett, das er ansonsten ja eh nicht wirklich nutzte, weil er sonst stets an meinem Busen baumelte. Auch nachts.

 

Mit etwa 2 Monaten war ich wieder zur Gänze in meiner Trainingsroutine angekommen, allerdings kamen dafür später neue Herausforderungen dazu, zum Beispiel, dass das Kind sich ja auch irgendwann selbstständig fortbewegen konnte. Am allerliebsten immer dann zu mir, wenn ich die schwere Langhantel auf den Schultern hatte. 

 

Aber wie alles im Leben wurde auch das besser und spätestens seit er vormittags drei Stunden im Kindergarten ist, kann ich diese Zeit wieder komplett für mich nutzen. Und entgegen der typischen mütterlichen Einstellung, dass die Bedürfnisse der Kinder die höchste Priorität haben, freue ich mich über meine eigene, zurück gewonnene Freiheit. Weil ich finde, dass meine Bedürfnisse als Mutter genauso zählen und wichtig sind. 


Tipps und Tricks

Das ultimative Rezept gibt es nicht. Was allerdings geholfen hat war meine liebe Stiefmutter, die regelmäßig den Zwerg in ihre Obhut nahm, damit ich zumindest für eine Stunde Laufen gehen konnte und eine weitere länger im Bett lag. 

 

Förderlich war es auch sich hierbei nicht zu stressen und schon gar nicht auf andere zu hören.

Zwar hörte ich von allen Seiten, dass es nicht um sonst "Wochenbett" heißt, Fakt ist aber, dass Sport mittlerweile fester Bestandteil meines Lebens ist und zu meinen persönlichen Bedürfnissen zählt wie Körperhygiene. Und Bedürfnisse hat man auch, wenn man gerade frisch Mutter geworden ist. Das hat nichts mit Eitelkeit oder Oberflächlichkeit zu tun.

 

Einen Ehemann mit normalen Arbeitszeiten zu Hause zu haben, der einem das Baby mal für ein paar Minuten abnehmen könnte, hätte eventuell auch geholfen. 

Aber im Endeffekt blieb mir nichts anderes übrig, als den kleinen Mann aktiv in meinen Bewegungsdrang zu integrieren, soll heißen ich lief beinahe alle Wiener Stadtwanderwege mit Tragetuch und Kind vorne drin, und nutzte jede freie Minute um mich draussen zu bewegen. 

 

Mein eigenes "Fitness Studio" zu Hause war natürlich auch hilfreich. In dem Fall bestand es aus einem Squat Rack, einer Langhantel und einer Klimmzugstange. Absolut Basic, aber absolut ausreichend. Und da war es dann auch nur halb so wild, wenn man dazwischen unterbrochen wird. 

 

Unser Bub hat unser Leben in jeglicher Hinsicht bereichert, aber auch viel komplizierter gemacht. Nicht jede Phase mit ihm war schön, aber die Liebe zum eigenen Kind ist so unendlich groß, dass auch diese Phasen vorbei gehen. 

Und in ein paar Jahren, wenn er groß ist und mich gar nicht mehr braucht, da werd ich mir vermutlich wünschen, dass er mich beim Training unterbricht, weil er jetzt so gerne kuscheln will. 

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