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Binge Eating - meine Erfahrungen 2018

"Binge Eating ist eine Essstörung, bei der es zu periodischen Heißhungeranfällen, oder auch Fressanfällen, mit Verlust der bewussten Kontrolle über das Essverhalten kommt. Im Gegensatz zur Bulimie werden anschließend keine Gegenmaßnahmen, wie zum Beispiel Erbrechen, unternommen, so dass längerfristig meist Übergewicht die Folge ist."

Quelle: Wikipeda


Vergangenen Abend saß ich alleine auf meiner Couch und blätterte durch meinen Instagram Feed, auf der Suche nach Ideen, worüber ich als nächstes schreiben könnte. Die Idee über Binge Eating Fressanfälle zu schreiben hatte ich schon vor geraumer Zeit, aber irgendwie blieb nie wirklich die Zeit dafür, vor allem auch, weil das Thema für mich ein sehr persönliches ist, das man nicht eben mal in ein paar Minuten abhandeln kann. 

Als ich dann, eine Stunde und grob überschlagene 4300 Kalorien später immer noch auf meine Couch saß, beschloss ich, dass es wohl jetzt an der Zeit wäre darüber zu sprechen. Weil es einfach wichtig ist, es vielen Frauen (und Männern) so geht, und weil es genügend Wege gibt um diese Fressanfälle zu vermeiden.


Meinen ersten unkontrollierten Fressanfall, den ersten, an den ich mich erinnern kann zumindest, hatte ich wohl im Alter von 9 oder 10 Jahren. Damals wohnte die Tochter einer Bekannten meiner Mutter bei uns, sie war gut 10 Jahre älter und litt, zumindest rückwirkend betrachtet, unter Bulimie. Damals hab ich das weder aktiv registriert, noch hat es mich bewusst beeinflusst, aber ironischer Weise war es gerade sie, die mich damals gefragt hat, ob sie mir was vom Supermarkt mitbringen soll. Und so verdrückte ich zu Hause, alleine und ohne Zuseher, zwei 750g Butterstrizel und ein Glas Nutella alleine. 

Damals tat ich das unbewusst, mir war gar nicht klar was da gerade passierte, ich hatte keine Vorstellung davon, was eine Kilokalorie ist und wie es mein weiteres Leben beeinflussen würde. Heute allerdings, rückwirkend betrachtet, sieht die Welt schon wieder ganz anders aus. 

 

Binge Eating Attacken habe ich dann, wenn ich mir selbst Verbote erteile. Vor gut 10 Jahren, als ich dachte ich würde fit und toll aussehen, wenn ich meine Kalorienaufnahme auf ein Minimum reduziere, waren Fressanfälle gang und gäbe. Ich hätte einen Wecker danach stellen können. (einen Artikel dazu gibt es bereits hier)

 

Die Zahl der Fressanfälle konnte ich erst auf ein Minimum reduzieren, als ich lernte wie Ernährung funktioniert, angefangen habe meine Kalorien zu zählen und nach dem Prinzip von IIFYM zu essen. 

Und trotzdem ist es mir gestern wieder passiert, dass ich den halben Kühlschrank verputzt habe. 

Allerdings haben sich manche Dinge inzwischen geändert:


Ich kenne die gründe

Anfang 2018 startete ich nach einem halben Jahr im Kalorienüberschuss meine Diät für den Sommer. Ziel war ganz klar, ich wollte endlich wieder meine Bauchmuskeln sehen. Das Defizit war wie immer moderat, ich zählte meine Kalorien überschlagmäßig, da ich nach der langen Zeit schon ein ganz gutes Gefühl dafür habe, und achtete auf meine Makronährstoffverteilung. 

Im März kam dann meine Brust OP dazwischen, inklusive einer Sport und natürlich auch Diät Pause. Und dann war der April auch schon da und keine Bauchmuskeln weit und breit in Sicht. Also startete ich mit PSMF, im Prinzip eine tolle Sache, wenn man keine Vergangenheit mit Essstörungen hat. Denn hier wird zur Gänze auf Kohlenhydrate verzichtet. Bedeutet zwar nicht, dass man nicht satt wird, bedeutete aber: Verbote. 
Und damit komme ich offensichtlich nicht zurecht. Es folgte eine Aneinanderreihung von Diät Tagen und jenen, wo ich alles wieder aufgeholt habe, was ich mir in den Tagen zuvor verboten hatte. Und es dauerte eine Zeit bis ich bemerkte, dass ich wieder im üblichen Rad gefangen war. 

 


ich fühle mich nicht mehr schlecht

Früher hätte ich versucht diese Fressanfälle durch den massiven Missbrauch von Laxativen zu kompensieren, was natürlich damals schon nicht funktioniert hat und nur dazu geführt hat, dass meine Verdauung komplett im Eimer war.

Heute hingehen stehe ich am nächsten Morgen auf, packe meine Sachen und gehe zum Sport, mache wie gewohnt weiter. Wie Sinnbefreit das alles ist, weiß ich natürlich. Hat aber auch eine Zeit lang gedauert, bis ich mir dessen wieder bewusst geworden bin. 

Addiere ich meine Gesamtkalorienanzahl der kompletten Woche inklusive Fressanfall zusammen, bin ich zwar immer noch in einem leichten Defizit, psychisch aber weit mehr gestresst. Idiotie lässt grüßen.


Ich weiß es eigentlich besser

Weshalb hatte ich es eigentlich so eilig, dass ich mit PSMF angefangen habe um möglichst schnell möglichst viel Körperfett abzubauen? Achja. Die Bauchmuskeln. 

Fazit der ganzen Geschichte, das Frühjahr lief absolut nicht wie geplant, die Diät für den Sommer lange nicht abgeschlossen, eigentlich möchte ich wieder zurück in den Aufbau und an meinen langfristigen Zielen, sowohl Kraft als auch Ästhetik, arbeiten. Klar halten monatelange Diät einen dabei auf. Aber, und daran muss ich mich selbst auch immer wieder erinnern: Gut Ding braucht Weile.

Deshalb: keine Verbote mehr, zurück zur Routine. 

Im Nachhinein ist man ja bekanntlich immer schlauer. 


Zusammenfassend kann man sagen:
Ich bin definitiv älter und schlauer geworden, aber manche Dinge kann man eben niemals ganz ablegen. 

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