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Alleine, aber nicht alleinerziehend

Instagram wird ja oft mal mit einer Dating Plattform verwechselt. Und da landen schon mal die ein oder anderen ein- oder zweideutigen Anfragen in meinem Postfach. Denn irgendwie wissen scheinbar viele nicht, ich bin verheiratet. Und das mittlerweile seit über drei Jahren. 

Ich halte mit meiner Ehe ja nicht hinterm Berg, dafür gäbe es auch keinen Anlass, aber oft kommt er in meinen Stories und Postings nicht vor, der liebe Gatte. Und das nicht, weil ich das nicht möchte, sondern weil er eben kaum hier ist. 

Wieso das so ist und was das für uns als Familie bedeutet, erzähle ich euch in diesem sehr ehrlichen Blogpost. 


Dass wir, und damit meine ich meinen Max und mich, nach nur 10 Monaten Beziehung zusammen gezogen sind, war vermutlich absolut verfrüht. Dass er nur zwei Monate später um meine Hand angehalten hat vermutlich auch. Aber wir waren verliebt und glücklich und gleichzeitig war es eine der schwierigsten Phasen in meinem Leben. 

Meine Mutter war nur einige Monate zuvor an Lungenkrebs erkrankt und die Hochzeitsvorbereitungen waren überschattet von Ängsten und Sorgen, Krankenhausaufenthalten und schließlich einem Begräbnis.

Uns gab es also nie sorgenfrei. Flitterwochen haben wir nie gehabt, bei unserem ersten gemeinsamen Urlaub war unser kleines Glück, wir nennen ihn liebevoll Peanut, bereits 3 Monate alt. Aber ich habe in der Zeit so viel gelernt, zum Beispiel,  wer so etwas meistert, der schafft auch alles andere im Leben - und zwar gemeinsam. 


Max wer?

Wer ist eigentlich dieser Max und weshalb ist er so selten da?

Der launische Grummelbär, der ab und an in meinen Stories auftaucht ist mittlerweile Mitte 30 und arbeitet in Wien bei einer Spezialeinheit der Polizei. Als wir uns kennen lernten jedoch, war er ganz normaler Streifenpolizist. 

 

Wer einen Polizisten in seinem näheren Umfeld hat, der kann sich ungefähr vorstellen wie es sich dort mit den Arbeitszeiten verhält. In der Regel werden aus 12 Stunden Diensten 24 Stunden Dienste mit 12 Stunden Pause dazwischen, regelmäßig gibt es an den freien Tagen zusätzliche Dienste und gelegentlich geht sogar das lange Wochenende drauf. Manchmal ist er auch eben eine komplette Woche weg. Wenn man einen täglichen Arbeitsweg von über einer Stunde (in eine Richtung) und die Tatsache, dass ja auch irgendwann mal geschlafen werden muss, dazu rechnet, kann sich jeder ausmalen wie viel gemeinsame Zeit am Ende dann noch übrig bleibt.

 

Bei Familienfeiern gibt es mich oftmals nur alleine mit Kind und die Frage, ob wir eigentlich überhaupt noch verheiratet sind, hab ich auch schon des öfteren gehört. Damit umzugehen war für mich nicht immer leicht. 

Seine Ausbildung und der Anfang in der Spezialeinheit begann zeitgleich mit meiner Schwangerschaft. Meine idyllischen Vorstellungen einer kleinen Familie wurden damit schnell beiseite gefegt und ich verbrachte unfassbar viel Zeit mit unserem Baby alleine.

 

Aber, wenn er zu Hause ist, dann gehört seine Zeit uns und vor allem unserem Sohn. Und der ist Feuer und Flamme für seinen Papa, da kann sogar ich mich hinten anstellen. 

 


Ich muss zugeben, seine Arbeitszeiten zu akzeptieren fällt mir nicht immer leicht. Ich würde lügen, wenn ich behaupten würde, dass bei uns alles harmonisch und ohne Streit ablaufen würde. Sehr schlimm war für mich immer die Tatsache, dass er so unglaublich gerne arbeiten geht. Ginge es nach ihm, dann bräuchte er keinen Urlaub. Seine Einheit ist seine zweite Familie (bei den Arbeitszeiten manchmal sogar eher die Erste) und so anstrengend und Kräfteraubend und natürlich auch gefährlich dieser Job auch sein mag, er lebt und liebt ihn. 

 

 

Aber im Laufe des diesjährigen Sommers sind mir einige, wirklich wichtige Dinge bewusst geworden, die mir wahnsinnig geholfen haben, diese familienunfreundlichen Arbeitszeiten zu akzeptieren. 

 

 

Dankbarkeit
Wäre er nicht, dann hätte ich niemals die Möglichkeit gehabt mich selbstständig zu machen. Trotz der finanziellen Ungewissheit, in die ich mich nach meiner Kündigung begeben habe, stand er stets hinter mir und hat mich bestärkt, dass ich es schaffen kann. Mittlerweile knipst er übrigens auch den Großteil meiner Photos. 
Anstatt mich darüber aufzuregen, dass er so viel arbeitet, erinnere ich mich jetzt daran, dass es ohne ihn und seine Arbeit niemals ginge und wir am Ende vermutlich sogar unser Haus verkaufen müssten. Unser Zuhause. 

 

Verzicht
Sobald die Uniform abgelegt ist, gehört er nur noch uns. Sein einziges Hobby, für das ihm noch Zeit bleibt, ist der Sport, und der Leidenschaft dahinter können wir (danke Kindergarten) oft auch gemeinsam nachgehen. Er trifft sich kaum mit Freunden oder fährt alleine in den Urlaub. Was wir tun, tun wir zusammen. 

 

Er ist wie er ist

Ich habe ihn als Polizisten kennen gelernt (interessanterweise sogar bei der Arbeit - aber das ist eine andere Geschichte), ich habe ihn als Polizist geheiratet. Jeder Beruf bringt seine Nachteile mit sich, aber am Ende des Tages kann ich wahnsinnig stolz auf ihn und seine Arbeit sein. Und was kann einem Menschen im Leben schöneres passieren, als dass man in seinem Beruf so viel Erfüllung und Glück findet. Und ich möchte dem sicherlich nicht im Weg stehen. 

 


Den ultimativen Tipp, wie man mit so einer Situation umgeht, den gibt es nicht.

Beziehungen sind so individuell und unterschiedlich, keine gleicht der anderen. Aber anstatt immer nur die negativen Aspekte zu sehen, konzentriere ich mich lieber auf die Positiven. Wir haben unseren Weg irgendwie gefunden, und ich bin sehr glücklich, dass ich meinen Weg mit diesem Grummelbären an meiner Seite beschreiten darf. 


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Kommentare: 2
  • #1

    Kristin (Dienstag, 25 September 2018 20:09)

    Ein so schöner Blogbeitrag. Ich verstehe dich voll und ganz, egal wie blöd die Arbeitszeiten sind, wenn man sich liebt, dann bekommt man das hin.❤️
    Ich kenne es, ein Lohner und ich, die viel in der Gastro arbeitet. Er 16 Stunden Tage und ich abends bei der Arbeit. Aber zusammen geht das alles.❤️

  • #2

    Charlotte (Mittwoch, 26 September 2018 22:45)

    Ein richtig toller Post! War wirklich sehr gerührt diese lieben Worte von dir an deinen Mann zu lesen. Ihr seid eine wunderbar sympathische kleine Familie und ich freue mich über jeden Beitrag von dir❤ Bitte weiter so und bleib wie du bist.