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Endlich Nichtraucher

Meine Geschichte

Ich erinnere mich so genau an meine erste Zigarette, als wäre es gestern gewesen. Ich stand mit der 3 Jahre älteren Nichte meiner Stiefmutter in der Ubahn Station Pilgramgasse in Wien und sie hielt mir eine Schachtel vor die Nase, fragend, ob ich denn nicht auch rauchen würde. Damals wollte ich ihr imponieren, cool sein und aufregend war es auch. 

Und das war dann irgendwie der Anfang eines jahrelang andauernden Kampfes, die Zigarette vs mich. Und damals war ich erst 11. 

 

Meine Eltern haben beide geraucht, immer schon. Meine Mama hat ehrlich gesagt nicht einmal während der Schwangerschaft mit dem Rauchen aufgehört. Mein Papa hat dann irgendwann im Jahr 2000 seine letzte Zigarette geraucht - mittlerweile ist er heute überzeugter und glücklicher Nichtraucher.

 

Ich selbst hab meine letzte Zigarette im September 2015 geraucht, kurz nachdem meine Mama an den Folgen des Rauchens, 9 Monate nach der Diagnose Lungenkrebs verstorben ist. Dieses Jahr feiere ich meinen 28. Geburtstag, das ist der dritte Geburtstag, den ich ohne meine Mutter verbringen muss. Und das wollte ich mir zum Anlass nehmen, vielleicht auch andere motivieren zu können, endlich mit dem Rauchen aufzuhören. Denn in Wahrheit ist es viel einfacher, als man annehmen mag. 

 

Ich verzichte in diesem Artikel absichtlich auf Photos von verkohlten Lungen und amputierten Beinen.

 


Die negativen Aspekte des Rauchens

Klar, dass Rauchen nicht gesund ist, weiß eigentlich jedes kleine Kind. Aber wenn man genauer über die Folgen des Rauchens nachdenkt, wird es eigentlich schwierig, Gründe dafür zu finden.
Wir reden hier über mögliche Zeugungsunfähigkeit, erhöhtes Herzinfarkt- und Lungenkrebsrisiko, verminderter Geschmackssinn, und was man natürlich auch nicht vergessen darf, Zigaretten kosten richtig viel Geld.

Vom Gestank möchte ich gar nicht erst anfangen.


Die positiven aspekte des rauchens

 

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Und jetzt mal spass beiseite

In Wahrheit gibt es kein Argument, das für das Rauchen spricht.

 

- Das befreiende Gefühl, das man nach dem Anzünden einer Zigarette verspürt, ist eigentlich nur das Ergebnis der Nikotinsucht. Der Körper hatte bereits mit den Entzugserscheinungen zu kämpfen. Ein Nichtraucher verspürt dieses Gefühl nicht. 

 

- Unser Hirn sagt uns wir bräuchten Zigaretten zu den unterschiedlichsten Anlässen. Um uns zu beruhigen, um zu genießen, in Gesellschaft, wenn wir traurig sind. Sie ändert allerdings nichts an unseren Problemen. Minuten nach denen wir die letzte Zigarette aufgedämpft haben, verlangt unser Kopf schon nach der Nächsten. An meiner Trauer, an meiner Wut, an meinem Stress hat sich nichts geändert.

 

- Allen Carr schreibt in seinem Buch, Rauchen sei kein Genuss. Es sei denn man genießt es auch sich an die Straße zu stellen und freiwillig tonnenweise Autoabgase einzuatmen. Und damit hat er gar nicht so unrecht. Ich genieße eine Tasse Kaffee morgens, allerdings gehe ich nicht die Decke hoch oder laufe abends noch schnell zur Tankstelle, wenn mir der letzte Kaffee ausgegangen ist. Das ist der Unterschied zwischen Sucht und Genuss. 

 

- Rauchen kostet unsagbar viel Geld. Wie viel Geld, das wurde mir erst bewusst, als ich zwei Jahre lang eine App mitlaufen lies. Nach zwei Jahren und zwei Monaten, während denen ich nicht geraucht habe, hab ich mir 18.030 Zigaretten und 4.510 EUR gespart. Ich möchte gar nicht wissen, wie viel Geld ich während den letzten 15 Jahren verraucht habe, ich hätte es genauso gut einfach anzünden können. 

 

- Das Argument "wir sterben sowieso" lasse ich in keinem Fall gelten. Ein Lungenkrebs Tod ist alles, aber nichts was ich mir wünsche. 


Rauchen und Muskelaufbau

Dein Körper wird schlechter mit Sauerstoff versorgt, die Atmung fällt deutlich schwerer. Auch die Muskulatur wird nicht adäquat versorgt und  durch die schlechte Sauerstoffversorgung bremst du dich sozusagen selbst aus. Es folgen negative Auswirkungen für den Muskelaufbau. Ein verlangsamtes Wachstum der Muskulatur wirkt sich auch negativ auf Stoffwechsel und Fettverbrennung aus, ganz abgesehen von deiner Ausdauer. 

 


das problem: aufhören zu rauchen

Viele werden sich denken, ja die hat wohl leicht reden, mit dem Rauchen aufzuhören ist gar nicht so leicht. Und ich muss sagen: ja, stimmt! Ich hab auch mehrere Anläufe gebraucht und habe einiges versucht. 

Der erste Versuch

Meinen ersten Versuch startete ich nach 7 Jahren, ich war 18/19 Jahre alt und las das Buch Allen Carr - Endlich Nichtraucher. Und ehe ich mit dem Buch fertig war, wollte ich keine Zigarette mehr rauchen.

Das Gefühl war, als hätte mir jemand den Schleier vor den Augen entfernt und ich konnte endlich klar denken und sehen. Es war gar kein Problem mehr mir einfach keine Zigarette anzuzünden. Ich wollte einfach nicht mehr rauchen, ich musste nicht mehr rauchen, ich war wahnsinnig euphorisch und glücklich. Allen Carr nimmt wirklich alle Punkte des Rauchens auseinander und lässt dabei einfach keine Fragen offen. 

Die Euphorie hielt an, bis zum ersten Bier nach 4 Wochen. 

Der zweite Versuch

Der zweite Versuch waren eigentlich viele halbherzige Versuche, irgendwann zwischen Versuch Nummer 1 und 3. Nur so viel, Nikotinkaugummis helfen vielleicht kurzzeitig das Verlangen zu stillen, langfristig kam ich so aber auch nicht von der Nikotinsucht weg.

 

Der dritte Versuch

Beim dritten Versuch empfahl mir ein Arbeitskollege das verschreibungspflichtige Präparat Champix. Der Wirkstoff Vareniclin in den Filmtabletten bindet im Gehirn an Rezeptoren von Nervenzellen (nikotinerge Acetylcholinrezeptoren), an die auch Nikotin bindet. Es wirkt dadurch wie Nikotin, hemmt aber die Bindung von Nikotin selbst an diese Rezeptoren. So wird das Verlangen nach Nikotin gestillt, und man bewegt sich nicht, wie bei Nikotinkaugummis, im ewigen Nikotin Hamsterrad. 

In die Liste der Nebenwirkungen reihen sich - laut einigen Online Artikeln - zwar Depressionen neben Mundtrockenheit und Kopfschmerzen ein, das hielt mich damals aber nicht auf das Präparat zu testen. Ich wollte einfach nicht mehr rauchen. 

Was soll ich sagen. Es hat funktioniert. Etwa am siebten Tag der Einnahme wurde mir das erste mal bewusst, dass ich seit dem Vortag keine Zigarette mehr geraucht hatte. Und es war mir nicht mal aufgefallen.

Das Präparat hält definitiv was es verspricht. Jedenfalls bis ich ein Jahr später über Umwege wieder an einer Zigarette zog. 

Der letzte Versuch

Der Letzte war eigentlich der Einfachste von allen. Was ich tat?
Ich griff einfach nicht mehr zur Zigarette. Ende der Geschichte. Und es war die beste Entscheidung meines Lebens. 

Ich fühle mich fitter, freier, ich muss mich im Winter nicht mehr nach draußen in die Kälte stellen, ich hab nicht mehr das Gefühl, dass ich andere mit meinem Rauch belästige. 


Und das Wichtigste

Ich bin meinem Kind ein Vorbild. 

Versteht mich nicht falsch, ich habe meine Mutter über alles geliebt, sie war mir der wichtigste Mensch auf dieser Welt, aber aus purer Idiotie, und mehr ist Rauchen am Ende des Tages nicht, hat sie mich noch vor meinem 26. Geburtstag verlassen. Sie war nicht mehr bei meiner kirchlichen Hochzeit, ich konnte ihr nie von meiner Schwangerschaft erzählen, sie wird niemals ihren Enkel in den Armen halten können. Diese neun Monate, von der Diagnose bis zum letzten Atemzug, waren die schlimmsten, schwersten, unerträglich härtesten neun Monate meines Lebens. Sie haben mich verändert. Und das möchte ich meinem eigenen Kind niemals antun.
Ich möchte gerne älter als 54 Jahre werden, ich möchte meine Enkel kennen lernen, ich möchte alt und glücklich sterben. 

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Kommentare: 2
  • #1

    Old.fart (Mittwoch, 08 November 2017 20:09)

    Ich erkenne sehr vieles wieder und bin froh, nein, überglücklich, ohne Zigarette zu leben!
    Toller Artikel!

  • #2

    Isi (Donnerstag, 09 November 2017 14:26)

    Ein wunderbarer Artikel liebe Toni. Ganz toll geschrieben. Ich habe auch geglaubt, dass es unfassbar schwer sein würde mit dem Rauchen aufzuhören bis ich es einfach tat. Nun lebe ich 11,5 Jahre rauchfrei und fühle mich prima! Aber ich weiß genau: Wenn ich aus einer Sektlaune heraus mal "eine rauchen" würde wäre ich sofort wieder Raucher. "Nur die Eine" darf es eben nicht geben. Ich glaube ein ehemaliger Raucher wird kein Nichtraucher sondern immer nur ein "Nicht-mehr-Raucher"! Liebe Grüße isi